Es ist ein Freitag, ein unüblicher Wettkampf-Tag. Wie der Name schon andeutet hat es mit bergigem, mindestens aber mit hügeligem Gelände zu tun. 12 km waren für die Läufer Cup Wertung zu bewältigen. Das bedeutet 3 mal eine Runde von 4 km, innerhalb dieser muss man 4 mal den Berg hoch, 4 mal runter laufen. Das treibt den (also meinen auf jeden Fall) Blutdruck hoch und belastet die Knie. Warum also in aller Welt hab ich das dann gemacht? Ganz einfach, weil ich es nicht wusste. Manchmal bin ich eben etwas naiv. Ist das gut? Keine Ahnung? Ich hab es überlebt und das eigentlich auch ganz gut.

Gipfelerfolg auf der Zugspitze mit Blick über Jubiläumsgrat und Alpspitze in den Sonnenaufgang

Aber jetzt die Geschichte von vorne. Erstmal habe ich meine Bahn verpasst. Am Frankfurter Tor fuhr die Bahn in den Norden von Berlin ohne mich. Ich brauchte nämlich noch eine Fahrrad-Karte für die S-Bahn und bis ich die gezogen hatte, war die Bahn weg. Die Nächste fuhr irgendwann … Somit musste eine neue Verbindung herhalten. Das klappte zum Glück, vom S-Bahnhof „Wilhelmsruh“ waren es dann noch knapp 4 km mit dem Rad. Angekommen in Wilhelmsruh… fuhr ich erst mal prompt in die falsche Richtung. GrrrHm. Gut, dass ich immer großzügig Zeit für die Anfahrt meiner Läufe einplane. Endlich angekommen. Ich hab noch eine dreiviertel Stunde Zeit. Alles easy. Der Lauf startet auf der „Familien Farm Lübars“. Dort ist alles entspannt. Die Helfer freundlich. Das Wetter super. Der Himmel ist klar, die Sonne leuchtet noch schön, aber nicht mehr heiß. Alles ist perfekt. Ich bin leicht angespannt. Denn die Strecke ist mir absolut neu. Leichte Berge habe ich schon erklommen. Eigentlich kann das alles nicht so schwer werden, denke ich. Aber wer weiß! Vor dem Lauf treffe ich noch 3 Läuferkollegen(innen) vom After-Work-Lauftreff im Friedrichshain. Gritta, ihr Mann Steffen und Birgit. Alle haben den Lauf schon mal absolviert. Ich hole mir noch ein paar Informationen und plaudere nett mit ihnen. Nochmal um die Ecke für „kleine Mädchen“. Dann ist die Zeit auch schon um.

Start. Es geht, grob geschätzt, 500 Meter geradeaus und dann schon bergauf und zwar verdammt steil. Mein Puls ist innerhalb von Sekunden über 170 … Hallo? Was ist das denn hier? Okay, es heißt zwar Zugspitzlauf, aber wir sind im Norden von Berlin und nicht im Süden von Deutschland. Aber was solls? Weiter. Immer schön langsam. Endlich oben, jetzt geht es ziemlich steil runter. Schön langsam runter. Kraft tanken, Luft holen, Puls regulieren. Links neben mir sehe ich eine große Wiese. Dort sehe ich in Schlangenform schon etliche Läufer, Berg rauf und Berg runter laufen. Oh mein Gott, das wird hart. Unten angelangt geht es 100 Meter geradeaus, dann auf die große Wiese und gleich wieder den Berg hoch. Himmel, wo bin ich hier? Warum mache ich das? Es hilft ja nix. Der zweite Anstieg ist zum Glück wenigstens besser einzusehen. Einige Läufer gehen hoch. Das mache ich dann einfach auch mal. Mein Puls ist über 180 …

So, nun wieder runter. Ach, das ist viel besser. Ich schaue auf meinen Puls. Er geht ziemlich zügig wieder runter. Gut, sehr gut. Eine Schleife auf der Wiese laufen, zum Glück für einen Moment auf ebenem Boden. Vielleicht 300 Meter. Dann wieder denselben Hügel hoch. Puh, auf Rasen laufen ist auch ganz schön anstrengend, zusätzlich zum Anstieg. Danach gibt es einen entspannten Abstieg. Nicht zu schnell runter. Der letzte Anstieg lässt auf sich warten, ist viel weniger steil, zieht sich dafür aber auch. Mein Puls geht wieder hoch. Eigentlich wollte ich ja nicht in den roten Bereich meiner Herzfrequenz geraten. Also das hatte ich mir vorgenommen, bevor ich wusste, was hier abgeht. Das Vorhaben kann ich getrost in die Tonne werfen. So, letzter Abstieg. Dann komme ich wieder am Start vorbei.

4 km sind überstanden. Zeit: etwa 24 Minuten. Was viel wichtiger ist, es gibt Wasser! Ich gehe in Ruhe und trinke meinen Becher aus. Jetzt dasselbe Spiel noch 2 Mal! Das wird der absolute Hammer. Aber! Jetzt weiß ich, was auf mich zukommt. Mein Körper ist eingelaufen. Das werde ich über die Bühne bringen und zwar gut. Da bin ich mir sicher, auch wenn es definitiv hart wird. Tatsächlich werden die beiden anderen Runden nicht mehr so dramatisch, wenn natürlich auch nicht easy. Den Rettungssanitäterinnen nach den vierten Aufstieg, zeige ich noch zweimal lächelnd den Daumen hoch. Ich bin zwar läuferisch am absoluten Limit, aber körperlich es geht mir gut. Bis … Auf einmal pieckst es in der Brust. Das wird doch nicht mein Herz sein? Nein, bestimmt nicht. Nach 01:11:06 erreiche ich das Ziel. Coole Zeit! Puh, ob ich den Lauf nochmal mache? Keine Ahnung. Zu Hause angelangt falle ich ziemlich fertig ins Bett. Der Piecks in meiner Brust lässt mich nicht los. Ich und mein Kopfkino. Nachdem ich jedoch noch ein Stück Schokolade nasche und mein Leid mit meinem Mann am Telefon teile, geben mein Kopf und mein Körper Ruhe. Ich werde ganz ruhig und entspannt. Zucker kann eben manchmal die Lösung sein für einen gestressten Körper …

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