Nur in wenigen Momenten meines Lebens bin ich tatsächlich glücklich, lehne mich zurück und genieße. Im Grunde bin ich von der Sorte Mensch, die beim Erreichen eines Zieles bereits ein Neues im Blick hat oder zumindest danach Ausschau hält. Stillstand ist mein Tod. Das gilt für alle Bereiche in meinem Leben, den privaten genau so wie den beruflichen Teil. Auch bei meinen Läufen folge ich meinem inneren Drang nach neuen Wegen, frischen Impulsen und Veränderung. Wettkämpfe, die mich bis ins Herz berühren, mir Gänsehaut zaubern, mich jauchzen lassen. Jedoch ruhe ich mich auf diesen Gefühlen selten aus, sogleich ist der nächste Lauf auf dem Schirm. Schneller, weiter oder extravagant. Egal. Hauptsache immer weiter. Einen Wettkampf in Marcs Wahlheimat Südbaden zu laufen, konnte ich bis jetzt nicht umsetzten. Nie passte es.

Am 11. Juli 2019 war es endlich soweit. Beim internationalen Trompeterlauf in Bad Säckingen wollten Maya und ich zusammen an den Start gehen. Den dritten Sommer verbrachten wir hier bei Marc. Die Ferien in Südbaden sind in dieser Jahreszeit geprägt von Ausflügen ins Freibad und dem Herumgammeln im Garten, soweit Schatten auf der Terrasse herrscht. Temperaturen über 30 Grad sind keine Seltenheit und der Aufenthalt im Freien nur früh am Tage oder in den späten Nachmittagstunden bis in die Nacht hinein möglich. Die Sommerferien 2019 waren nicht ganz so heiß. Es war somit Maya und mir möglich einen Tag vor dem eigentlichen Lauf-Event mit dem Bus nach Bad Säckingen zu fahren, um die Gegend zu erkunden. Eigentlich wollte ich nur mal schauen, wo sich der Start befand, wie weit dieser vom Bahnhof entfernt war, wo es die Startnummern gab und und … Mit was ich nicht gerechnet hatte, ist, dass mich dieser kleine Ort ganz verzaubern würde.



Als wir am späten Vormittag aus dem Bus stiegen und nach wenigen Minuten aus der Altstadt an den Rhein kamen, war es um mich geschehen. Das breite, helle Tal mit dem ruhig dahin fließenden Rhein unter einem wolkenlosen Himmel, mit der warmen Sommersonne auf der Haut war eine Offenbarung. Ich konnte mich einfach nicht Sattsehen. Immer wieder blieb ich stehen, um mich zu schauen oder zu fotografieren. Maya teilte glücklicherweise meine Begeisterung. Zusammen eroberten wir die alte Grenzbrücke über den Rhein, die Deutschland mit der Schweiz verbindet. Wir nahmen sie genau unter die Lupe und taten so, als wären wir Eroberer, die sich zu neuen Landen aufmachten. Auf der Schweizer Seite pausierten wir kurz, naschten aus unseren Vorräten Süßes. Zurück auf der deutschen Seite des Rheins taten wir es anderen Touristen nach und verdrückten eine Pizza auf großen Steinen sitzend am Ufer, die wir uns zuvor in einem Restaurant gekauft hatten. Dabei zogen wir den Geruch des Flusses und der sommerlichen Gefilde ein. Traumhaft.



Ein Besuch der katholischen Kirche auf dem Markt folgte. Maya sträubte sich zuerst. Nachdem ich ihr allerdings sagte, sie müssten dann draußen auf mich warten, kam sie doch mit. Sobald wir im Innern des kühlen Gotteshauses waren, verflog Mayas Unmut. Auf einer langen hölzernen Bank sitzend, fragte sie mich Löcher, über Gott und die Welt, in den Bauch. Was ich ihr beantworten konnte, ließ ich sie wissen. Währenddessen spielte, da es Mittagszeit war, jemand an der Orgel. Zum Abschluss unseres Besuches entzündeten wir in einem kleinen Nebenraum Kerzen. Eine Kerze für meine Großmutter, die stets in meinem Herzen wohnt und eine Kerze für Mayas Opa, der so doll krank war. Er möge bald wieder gesund werden, meinte Maya, die nicht wusste, dass mein Papa todkrank war. Bis heute,  erinnere ich mich genau an diese Momente. Die Stunden in Bad Säckingen waren das Intensivste, was ich mit Maya bis dato erlebt hatte.



Nebenbei wurden alle wichtige Daten und Fakten gesammelt, um am nächsten Tag am Trompeterlauf teilnehmen zu können. Maya hatte mir ihre definitive Absage zur Teilnahme am Bambinilauf mitgeteilt. Laufen war nach zwei absolvierten Events dieser Art nicht ihr Ding, so viel stand fest. Nachdem wir beide so einen wundervollen Tag verbrachten und meine Tochter morgen mit an der Strecke sein würde, um mich anzufeuern, zusammen mit Marc, war mir das vollkommen egal! Dieser Tag war bereits perfekt gewesen! War zu hoffen, dass es beim Lauf am nächsten Tag auch so werden würde ….

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