6. November 2016 – 13. Teltowkanal Halbmarathon

Es ist mein 13. Lauf in diesem Jahr, der Teltowkanal Halbmarathon

13. ist durchaus eine gute Zahl sein, wenn man nicht abergläubig ist. Das bin ich nicht. Gläubig ja, abergläubisch nicht. Was ist das eigentlich für ein Wort ABERGLÄUBIG? Komisch. Müsste ich googeln oder in Wikipedia nachschauen. Lassen wir das …. vielleicht mache ich das am Schluss meiner Geschichte, wenn ich es bis dahin nicht wieder vergessen. Vergessen ist ein große Stärke von mir, das aber nur am Rande …

Es galt also, das zweite Mal den Teltowkanal-HM zu absolvieren, der letzte Halbe in diesem Jahr. Wow, ist das Jahr 2016 wirklich schon wieder um? Nun ja, um ehrlich zu sein, für mich schon. Am 13. November 2016 ist noch der „Lauf in die Tropen“, dann mache ich eine Woche Urlaub mit meiner Kleinen, dann noch eine Woche arbeiten und dann 3 Wochen Mutter-Kind-Kur … und dann … ist Weihnachten und somit das Jahr rum. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich werde mittlerweile immer melancholisch oder auch ein bisschen nostalgisch, wenn das Jahr sich seinem Ende neigt. Ich lasse dann gern mein Jahr Revue passieren. Dieses Jahr werde ich auch einen Rückblick schreiben, aber nicht jetzt, keine Angst.

Mal wieder ist es ein wunderschöner Herbstmorgen,…

…als ich aus der Tür trete. Es könnte glatt Ende (!) November sein. Es ist feucht, dunkel und natürlich grau. Das wiederum in vielen Facetten, ganz nach dem Motto: 50 shades of grey. Also ein Volltreffer, um einen schönen Tag an der frischen Luft zu genießen, 21 Kilometer zu laufen und sich gut zu fühlen. Let´s rock …

Von Stadtmitte aus fährt es sich angenehm nach Teltow Stadt. Sonntagmorgen ist die U-und S-Bahn leer. Am Bahnhof Friedrichstraße haben die Geschäfte und Imbiss-Buden schon auf. Die Verkäufer sortieren ihre Auslagen und sind durchaus gut gelaunt. Es wird gelächelt und mit Kollegen geschwatzt. Die Kunden sind im Gegensatz dazu eher müde und schauen etwas mürrisch aus. Mit der S 25 fahre ich in den Süden Berlins, wie immer mit Musik auf den Ohren. Wenn ich alt bin, werde ich definitiv schwerhörig sein, dass weiß ich jetzt schon …. dafür höre ich einfach zu viel und zu laut Musik. Allerdings! Ich lebe jetzt, wer weiß schon was in 20 Jahren ist.

Da ich mir verdammt unsicher bin,…

…was die Strecke ab dem Bahnhof Teltow zum Start betrifft, suche ich Hilfe in unserer WhatsApp-Laufgruppe. Einer antwortet, Werner. Er ist auch auf dem Weg nach Teltow und gibt mir Tipps, wie ich zum Start-Zielbereich komme. Puh, Glück gehabt. Danke Werner!
Vor Ort angekommen schlüpfe ich gleich ins AOK Zelt. Ja, ich bin mal wieder mit der AOK Nordost als Läuferin unterwegs. Unsere Zusammenarbeit wird sich ab 2017 noch intensivieren. Die Truppe um Michael Lotz und Ottmar Lehmann ist super. Ich fühle mich hier sehr wohl und ihnen gefallen meine laufenden Geschichten. Eine win-win Situation. Abgesehen davon, dass wir uns auch einfach mal gut leiden können.

Heute gibt es hier für mich noch ein Highlight!

Michael Klotzbier wird mit seiner Heldenstaffel antreten. Per Facebook habe ich ihn schon kontaktiert und gefragt, ob ich ein Foto mit ihm machen kann. Er hatte zugesagt. Ich bin ein bisschen aufgeregt und frage mich, wann der passende Moment ist, sich bei ihm vorzustellen. Zur Zeit steht er vor einer Kamara … das ist ein ungünstiger Moment, um  „Hallo“ zu sagen. Startnummer holen und umziehen wäre jetzt gut. Es ist erst 9:15 Uhr und somit ist jede Menge Zeit. Start ist 10:30 Uhr. Ich dackele also rüber zum großen Zelt, um dort meine Startunterlagen zu holen. Das verzögert sich dort ein wenig, weil die Namensliste nicht da ist. Macht ja alles nix. Es ist Sonntag … nur keinen Stress!

Nachdem ich meine Nummer habe, schlüpfe ich wieder ins AOK Zelt und versuche mich umzuziehen. Irgendwie komme ich jedoch nicht recht voran. Es gibt so viele Eindrücke, nette Menschen und es ist auch sehr eng, so dass ich 10 Minuten später immer noch nicht umgezogen bin. Mein Platz am Tisch mit dem kostenlosen Shirts ist auch schlecht gewählt. Ständig kommt jemand an den Tisch und sucht ein passendes Shirt oder Startnummernband und …. ich suche immer mit und quassele eine Runde. So werde ich nie fertig!

Auf einmal kommt Michael Klotzbier zu mir…

…und fragt nach Startnummerbändern. Ich helfe aus, klar … 7 Stück benötigt er für seine Staffel. Dabei fragt er mich, ob ich Diana sei. Ich strahle wie ein Pfannkuchen und sage „Ja.“ und fummel nebenbei weiter die Bände auseinander, um sie ihm zu geben. Von der Seite kommt noch eine Dame und benötigt welche. Immer mit der Ruhe Herrschaften, ich habe das unter Kontrolle. Hier bekommt jeder sein Startnummerband! So, geschafft. Bitteschön. Ich habe alle Bänder verteilt. Michael ist wieder weg. Aber wir haben uns kurz vorgestellt, somit traue ich mich nachher auch, nach dem Foto zu fragen.

JETZT aber erstmal fertig umziehen, Trödelliese Diana!

Ich ziehe meine langen Tights an und zwei langärmlige Shirts. Das von der AOK oben drauf, schließlich laufe für sie. Mein Kopftuch auf und die „Mikey Mäuse“ um den Hals. Klar, heute laufe ich wieder mit Musik. Ich habe richtig …. Bock drauf … dann noch das Startnummerband um und das … dieses Taschendingsda, wo ich mein Handy und mein PowerGel reinpacke. Mit Proviant zu laufen ist sicherer, schließlich bin ich immer noch nicht topfit. Wenn ich einen Spiegel hätte, in dem ich mich betrachten könnte, würde ich mich definitiv nicht schick, geschweige denn, sexy finden. Aber hey, egal. Männer stehen derzeit nicht auf der Wunschliste und es ist ein trüber Herbsttag, die Strecke ist auf Garantie matschig. Sexy ist sowas von … ups …. scheißegal … dabei sein ist …. ALLES!

Ganz mutig schnappe ich mir jetzt Michael Klotzbier…

…und frage nach einem Foto mit ihm. Er stimmt zu. Jäh! Cool! Jetzt wo ich Mut gefasst habe, quassele ich ihn erstmal voll. Hoffentlich nicht zu viel. Ich erzähle ihm von meinen laufenden Geschichten und meinen Bemühungen, vielen Menschen meine Erzählungen „unterzujubeln“. Ich frage ihn, wie er mit dem „Rummel“ um seine Person zurechtkommt. Er erzählt ein wenig von sich, im Gegensatz zu mir, wenig aufgewühlt und sehr entspannt. Ich finde ihn sehr sympahtisch. Er hat ein sehr freundliches, herzliches Lächeln.

Die Fotografin, die für die AOK hier vor Ort ist, frage ich, ob sie uns ablichtet. Macht sie. Auch mit ihrer Kamera … die Fotos könnten auch bei Facebook landen. Nun ja, damit haben wir ja nun gar kein Problem.
Währenddessen kommt meine Fitnesstrainerin Michi mit ihrem Mann dazu. Ich bin einem Moment unkonzentriert und schaue nicht mehr richtig in die Kamera. Ich verabschiede und bedanke mich bei Michael und gehe zu Michi und ihrem Mann rüber. Die beiden laufen heute mit, wahrscheinlich sehr schnell. Die beiden haben es fitnessmäßig faustdick hinter den Ohren! Wir schnacken noch ein bisschen und schon geht’s weiter. Großer Fototermin mit allen AOK-Läufern vor dem Zelt. Aufstellung! Lächeln! …und abdrücken Frau Fotografin …

Ich stoße noch auf Angela,…

die mich hier am Zelt abgepasst hast. „Habe ich mir doch gedacht, dass ich dich hier treffe“, sagt sie lächelnd. Mann oh Mann, heute treffe ich aber jede Menge netter Menschen. Echt super. Aber gut, dass ich heute wieder nur auf Spaß aus bin. Einen Lauf auf Zeit würde ich gern in Ruhe vorbereiten. Dafür müsste ich mich wohl langsam tarnen oder verstecken. Tja Diana, wer das eine möchte, muss das andere mögen.

Nun noch schnell das stille Örtchen aufsuchen, wie immer vor einem Laufevent. Allerdings … still ist nicht. Die handvoll DIXI-Klos sind vollkommen überfüllt, die Schlange unendlich lang. Ich treffe Wiebke. Sie schaut auch so suchend aus. Vielleicht auch nach einer Gelegenheit, noch was loszuwerden. Ja, korrekt! Na dann suchen wir uns was zusammen. Nicht fein aber absolut notwendig, bewegen wir uns in Richtung … oh je … wie heißt das Gewässer hier eigentlich? Ups, Geografie 6, Frau Grimm! Wahrscheinlich Teltowkanal, oder?

Also in Richtung Wasser. Hinter den Büschen lassen wir uns kurz nieder. Davor, währendessen und danach quasseln wir. Frauen eben … Wir laufen uns noch zusammen warm und eh wir uns versehen, ist es schon fast 10:30 Uhr. Wir machen noch schnell ein Selfie. Gar nicht so einfach, denn Wiebke ist viel größer als ich. Ich bin gar nicht richtig zu sehen, Wiebke …. nimm die Kamera etwas runter, bitte. Besser! Knips …. Dankeschön. So, fertig … und jetzt zack … zum Start. Wir kommen auf die große Horde von Läufern zu. Wiebke will doch tatsächlich direkt durch die Massen durch. Das ist mutig.

Da! Auf einmal sehe ich ihn. Daniel!

Der Daniel! Daniel vom letzten Jahr, der mich auf den letzten Kilometern begleitet hatte und mir so zu neuer persönlicher Bestzeit auf der Halbmarathon-Distanz verhalf. Wir hatten uns vor einem Jahr kurz nach dem Zieleinlauf auf Wiedersehen gewünscht und uns nie wieder gesehen. Ich konnte ihm so nie sagen, dass ich Geschichten schreibe und ihm einen großen Teil meiner Erzählung zum Teltowkanal-HM gewidmet hatte.

Ich stupse ihn an. Er erkennt mich sofort. Ich frage ihn nach seinem Sohn, der damals mit von der Partie war. Heute ist er nicht dabei. Er fragt mich, welche Strecke ich laufe und was ich mir vornehme. Das kann ich ihm noch beantworten, dann wird die Zeit knapp. Er gibt mir schnell seine Telefonnummer, die ich hastig eintippe. Dann versprechen wir uns, uns diesmal nicht mehr aus den Augen zu verlieren und Kontakt zu halten. Wird gemacht Daniel, versprochen!
Zwei, drei Minuten später fällt der Startschuss. Ich setze meine Kopfhörer auf, starte die Musik für einen langsamen Dauerlauf und laufe los. Jäh, let´s go … der letzte Halbmarathon des Jahres 2016!

Mit einer Läuferschar von 1500 Mann setze ich mich in Bewegung

Die Luft ist angenehm kühl. Regen ist nicht in Sicht, der Wolkenvorhang ist auch nicht mehr so dick. Das kann ein guter Lauf werden. Läuft! Ich komme nicht weit, da grüßt mich Gunnar. Ihn habe ich beim Intersport-Lauf in Potsdam kennengelernt. Er ist, wie ich, in einer oder sogar zwei Laufgruppen bei Facebook. So hatten wir Kontakt, ohne uns persönlich zu kennen. Seit Potsdam ist das nun anders. Wir wechseln noch ein paar Worte und dann zieht Gunnar los, um seine 2 Runden bzw 14 Kilometer, um den Teltowkanal zu absolvieren.

Total verrückt!

Heute treffe ich aber auch Gott und die Welt! Ich laufe weiter … komme aber gar nicht weit … da kommt von der rechten Seite noch ein Mann an mich herangelaufen. Dirk! Hey, cool dich zu sehen. Dirk ist ebenfalls ein „alter“ Facebook-Laufgruppen-Bekannter. Wir schreiben uns viel, haben uns jedoch noch nie persönlich „Hallo“ gesagt. Schön, ihn endlich kennenzulernen. Wir quasseln uns tatsächlich so fest, dass wir einige Kilometer zusammen laufen. Zwischendurch sagen wir uns zwar immer, wir sollten nicht reden, weil es zu viel Kraft kostet … quasseln dann aber doch weiter. So vergeht die erste von drei Runden wie im Fluge.

Wir kommen zum ersten Mal am Ziel vorbei

Ich versäume tatsächlich, nach der Zeit zu schauen. Das kommt eigentlich nicht vor! Aber, alles ist gut. Schön, so kann es weitergehen. Ich sage Dirk, dass ich jetzt noch ein bisschen schneller laufen werde, mit Musik auf den Ohren. Er verabschiedet sich und rast davon. Verdammt, ich komme mir vor wie eine dumme Kuh! Klar, Dirk hatte erzählt, dass er den Berliner Marathon in 3:30 oder so was gelaufen ist … und ICH sage ihm „ich laufe dann mal ein bisschen schneller „… lächerlich … naja … ich glaube … er ist gern mit mir gemütlich gelaufen … jedenfalls ist er jetzt ruckzuck weg. Na dann laufe ich mal schneller und setze mir meine Musik auf. Auf die habe ich mich echt gefreut.

Wir Läufer kommen am Start-Zielbereich vorbei, da dreht sich jemand nach mir um, während er mich überholt und winkt mir zu. Ich bin mir nicht sicher, ob er mich meint und frage deshalb nach. Er sagt nur lächelnd, „super Blog, tolle Geschichten“, hebt den Daumen oder die Arme (das hab ich vergessen) und läuft weiter. Hey, also jetzt wird doch der Hund in der Pfanne verrückt. Was ist das heute für ein Tag? Ich freue mich riesig und grüße lächelnd zurück. Bin ich jetzt schon unter der Kategorie Laufstar zu verbuchen? Hey, Diana … jetzt werde mal nicht größenwahnsinnig. Aber ganz ehrlich … so ganz unter uns … ein bisschen habe ich mich schon als VIP gefühlt … aber das wieder mal nur am Rande … ich war beim Laufen der zweiten Runde …

7 Kilometer lagen nun hinter mir,…

…mit Dirk. Jetzt laufe ich allein und es läuft sich gut. Musik auf den Ohren und einfach Schritt um Schritt weiterkommen. Die Sonne lässt sich sogar zart hinter den Wolken blicken. Oh, wie schön. Ich nehme mir Zeit und schaue in den Himmel. Ein wohliges Gefühl durchflutet meinen Körper. Wie geil ist das hier … bunte, leicht feuchte Blätter auf dem Weg, Sonne, kühle angenehme Luft, coole Läufer mit mir zusammen auf der Strecke. Es geht mir gut. Mir tut nichts weh … das Leben ist schön! Zum Glück auch endlich außerhalb der Laufstrecke. Die letzten Monate waren so verdammt hart. Es wird immer noch schwer bleiben, aber ich kann tatsächlich wieder strahlen und glücklich sein. WOW!
Das gute Leben hat mich wieder!

Ich „fresse“ Kilometer…

…und strahle innerlich und äußerlich wie ein Pfannkuchen. Jedem Fotografen schenke ich ein Fotolächeln, Kids klatsche ich ab und den Leuten, die uns an der Strecke bejubeln, juble ich euphorisch zurück. Ich bin ganz aus dem Häuschen … und ich habe definitiv nur die Droge „laufen“ konsumiert …. An jedem Versorgungsstand mache ich ein Päuschen und genieße einen Schluck Wasser. Warmer Tee wäre allerdings angenehmer. Schade, dass es den nicht gibt.

Zwischendurch muss ich immer spontan aus meiner Bahn springen, vor allem auf der Rückseite des Kanals. Dort liegen jeden Menge Regenwürmer herum. Auf keine Fall möchte ich auf einen treten. Erstens weil ich sie dann töten oder zerquetschen würde und zum zweiten ist dieser Gedanke widerlich, einen solchen toten oder zerquetschen Wurm am Schuh zu haben. Igittigitt … Also hüpfe ich regelmäßig spontan um einen solchen Wurm herum. Ich glaube, bis zum Schluss des Laufes hat kein einziger Wurm durch mich sein Leben verloren. Was ich von anderen Läufern, mit großer Wahrscheinlichkeit, nicht sagen kann. Ich habe einige entstellte oder gar tote Exemplare sehen.

Nach 14 Kilometern komme ich ein zweites Mal am Ziel vorbei

Diesmal schaue ich auch mal auf die Zeit, nur der Form halber. 1 Stunde und 30 Minuten bin ich nun schon unterwegs. Das ist vollkommen in Ordnung. Mein Power Gel hab ich bei Kilometer 12, am zweiten Versorgungsstand, konsumiert. Damit komme ich gut bis ins Ziel. Die letzte Runde um den Kanal gebe ich noch ein bisschen Gas und schaue mich jedoch trotzdem um. Ich möchte die Luft einsaugen, die bunten Blätter an den Bäumen und auf dem Boden sehen. Herbst ist farbtechnisch definitiv die schönste Jahreszeit. Diese warmen Farben sind genau mein Ding. Wieder lächle ich den Fotografen zu, auch Angela, die ich noch einmal sehe und klatsche wieder Kids ab. Es ist alles im grünen Bereich.
Ein letztes Mal links über die Brücke. Jetzt sind es nur noch 3,5 Kilometer, dann ist der Drops gelutscht. Natürlich laufe ich hier nicht mehr locker und flockig, ich muss schon tief Luft holen, aber mein Kopf versprüht genug Endorphine. Es ist wundervoll.

So, jetzt noch am letzten Versorgungspunkt ein Schluck Wasser…

…und dann bin ich gleich da. Aber was ist das! Als ich ankomme, am Stand, fährt gerade ein Auto mit den Bänken und Tischen weg. WAS !?! Kein Wasser mehr! Hallo! Bin ich die Letzte? Hab ich was verpasst? Bin ich schon auf der vierten Runde? Die können doch nicht den Stand abbauen! Schließlich bin ich definitiv nicht die letzte LäuferIn.
Gerade die Läufer weiter hinten benötigen ja noch Wasser und einen Punkt, wo sie wissen, sie sind nicht allein auf der Strecke. Zum Glück sind die Sanitäter noch vor Ort.
Enttäuscht setzte ich meinen Weg fort. Jetzt zum letzten Mal an den vielen bunt markierten Wurzeln vorbei. Bei uns in der Familie auch liebevoll „Wurzelmännchen“ genannt. Diese kleinen, etwas fiesen Kobolde strecken immer ihre Fühler aus, um Menschen zum stolpern zu bringen. Kennt ihr die auch?

Die „Wurzelmännchen“ umlaufe ich gut

Kein Gestolper. Alles gut. Noch einmal über die kleine Brücke. Hier ist übrigens auch schon die junge Dame weg, die hier den Streckenposten gemacht hat. Sie hatte bestimmt einen wichtigen Termin…
Echt, hier ist keiner mehr. Wenn man sich hier vertritt und Hilfe benötigt, ist man auf sich selber oder freiwillige Helfer in Form von Läufern angewiesen. Das gefällt mir ehrlich gesagt überhaupt nicht.

Ich habe Glück und komme tatsächlich gut durch. Auf dem letzten Stück der Strecke setze ich meine Kopfhörer ab, um den Sprecher im Ziel zu hören. Dann nur noch die Treppe hoch, links rum und dann bin ich da … Kurz vor der Treppe ruft mir Angela zu, ich soll mich beeilen. Ich rufe ihr lächelnd zu, die Treppe in Ruhe hochgehen zu vollen. Ich bin ja nicht auf der Flucht oder im Bestzeitmodus … außerdem ist Sonntag … tippel, tippel … gehe ich die Treppe hoch …. Angela steht mit dem Handy am Rand und lichtet mich ab. Hey, cool! Ich winke ihr zu. Sie ruft, dass sie mir die Bilder zusendet. Dankeschön, rufe ich zurück und setze mich mit einem Lächeln weiter in Richtung Ziel in Gang.

2 Stunden 12 Minuten ist auf die digitalen Anzeige zu sehen

Das ist super! Ich hebe die Arme und freue mich. Am rechten Rand steht der Moderator am Mikro. Da ich meine Startnummer nach vorne gerückt habe, kann er mich kurz vor dem Ziel namentlich begrüßen. Eigentlich bin ich schon fast an ihm vorbei. Da bleibe ich plötzlich stehen, gehe eine Schritt zurück und verbeuge mich vor ihm für die nette Begrüßung kurz vor dem Ziel. Hey, ob nur 2:12 oder 2:13 ist doch vollkommen egal. Ich glaube, eine Verbeugung bekommt er nicht alle Tage. Ich tippele weiter, klatsche noch auf der linken Seite Gunnar ab und laufe glücklich und zufrieden ins Ziel!

Dort stehen dann die Eltern von Gustav, einem lieben Freund aus Potsdam. Er, seine Frau, Kinder und Eltern hatte ich schon vor dem Lauf gesehen und begrüßt. Die beiden drücke ich ganz herzlich und freue mich, mit ihnen zusammen im Ziel zu sein. Dann steht auf einmal Dirk da und begrüßt mich. Hey, Dirk! Schön! Wir beglückwünschen uns gegenseitig und ich gestehe, wie ich mich gefühlt habe, als er mit einer Affengeschwindigkeit nach 7 Kilometern abgezogen war, obwohl ich doch groß angekündigt hatte, schneller zu laufen.

Dann kommt noch Andrea dazu

„Ich habe deinen Namen gehört, da musste ich dich noch begrüßen!“ sagt sie und wir drücken uns. Andrea ist eine absolute Frohnatur. Sie war die allererste Person, die mich wegen meines Blogs angesprochen hatte. Das war beim Craft-Womens-Run. Damals war ich vollkommen aus dem Häuschen. Seit dem ist Andrea für mich eine ganz besonders wichtige Person. Mein erster unbekannter, sich outender, „Fan“ !

Zu meiner Überraschung kommt nun noch ein Mann, Ralf, auf mich zu und sagt etwas schüchtern, er lese meinen Blog und fände die Geschichten gut. Ich bin hocherfreut und bedanke mich bei ihm. Leute, Leute. Was für ein Lauf. Was für ein Tag. Das Datum und den Lauf muss ich mir rot im Kalender eintragen. Sooft wird mir das nicht passieren.

Nach dem ganzem Rummel…

…und dem unterm Strich doch anstrengenden Lauf ziehe ich alleine und in Ruhe in Richtung Teltow Stadt. Dabei lasse ich alles noch einmal Revue passieren. Immer wieder muss ich lächeln, gar lachen, wenn ich an den Lauf denke. Die Fahrt nach Hause nutze ich, um zur Ruhe zu kommen, denn zu Hause wird davon nicht mehr viel sein. Meine kleine Tochter Maya wird mich erwarten. Meine Große und sie waren heute Vormittag, während ich gelaufen bin, zu einem Kinderkonzert im Konzerthaus am Gendarmenmarkt .

Als ich zu Hause ankomme, stehen Maya und Géraldine vor dem Fernseher und spielen Wii.

Sie tanzen eine Choreographie nach, die auf dem Bildschirm vorgetanzt wird. “It´s raining man” rockt es aus den Boxen. Die beiden Mädels geben alles und schwingen Beine und Arme. Eine herzliche Begrüßung fällt aus. Die beiden sind viel zu sehr beschäftigt. Ich koche mir trotz der lauten Musik und dem Gehopse im Wohnzimmer, so gemütlich wie es eben geht, einen Kaffee und nasche den Kuchen, den ich mir von unterwegs beim Bäcker geholt habe. Allerdings währt meine “Ruhe” am Tisch nicht all zu lange. Maya möchte auch Kuchen … tja, ab jetzt ist der Läuferstar Diana wie weggepustet … willkommen im realen Leben Mama Diana…

Fazit zum Lauf: Ein schöner Lauf, trotz der schmalen Rückseite des Teltowkanals und vielen „Wurzelmännchen“.  Dreimal dieselbe Runde laufen, macht mir nichts aus. Manko: der schon geschlossene Versorgungsstand, der durch den Veranstalter und nicht, wie vermutet, durch die AOK Nordost betreut wurde.

Fazit des Tages: Mein Leben ist wunderschön. I´m back!