2. April 2017 – 37. Berliner Halbmarathon

Alles läuft in Zeitlupe ab – in slow motion:

DU hast noch einen Kilometer zu laufen. Die Sonne scheint … Neben dir gehen bereits manche LäuferInnen, weil sie total am Limit sind, andere sind so fokussiert, dass sie nichts mehr sehen oder hören.
DU bist in absoluter Hochform, da du die letten 20 km in genüsslicher Form zurückgelegt hast.
Die Menschen am Rand der Strecke jubeln und klatschen dir begeistert zu … mit Konfetti, Tröten, Trommeln – es ist ein einziges Feuerwerk!
Dein Name wird gerufen. DU reißt die Arme hoch und gibst die Begeisterung, die dir geschenkt wird, zurück.
Hepp … hepp … hepp … du klatschst Hände ab, bleibst kurz stehen und drückst dir vollkommen fremde Menschen.
DU bist der Star auf der Strecke. Die Zuschauer stehen nur für dich hier!
Deine Beine tragen dich immer weiter, die Leute jubeln immer noch, die Gänsehaut breitet sich auf deine gesamten Körper aus , wie eine Welle. Deine Haare stellen sich auf , dein Herz öffnet sich. Das warme Blut fließt durch dich hindurch, wie warme Schokolade in der Werbung … immer noch im Zeitlupen-Tempo. Es ist der perfekte Moment!

Könnten wir doch diesen Film immer wieder zurückspulen und uns ansehen – in Slow Motion. Wie geil wäre das? Habt ihr solch einen Film schon gesehen oder besser – selbst „gedreht“? Mir ist dieses Glück zuteil geworden. Ich durfte dieses Gefühl erleben. Aber, zuvor war alles unter Spannung bei mir …

Seit Monaten arbeitete ich an der Herausgabe meines Buches „33 laufende Geschichten“

Endlich war es fertig, eine Woche vor dem Berliner Halbmarathon. Puh, das war echt knapp. Ehrlich gesagt, war das alles anders geplant. Das Buch sollte mit auf die Leipziger Buchmesse. Tja, verpasst. Zu viele Fehler versteckten sich noch im Text. Drei liebe Helfer hatte ich schlussendlich bei der Korrektur meiner Texte. Ich kann gut Geschichten schreiben, aber eben noch besser Fehler fabrizieren. Natürlich arbeite ich daran, mich zu bessern …

Das Buch durfte ich auf der Vital Messe in Berlin, zum Berliner Halbmarathon, am Stand der AOK Nordost präsentieren. Tolle Sache. Total aus dem Häuschen war ich deswegen. Klar! Drei Tage lang wurde aus meinem Buch vorgelesen. Danach stand ich stets für Fragen bei einem Interview zur Verfügung. Der Haken an der Sache, noch nie in meinem Leben habe ich ein Interview gegeben, schon gar nicht auf einer Messe. Natürlich bin ich am ersten Tag erst einmal X Tode gestorben, wie ihr euch vorstellen könnt.

Viele Bücher habe ich übrigens nicht verkauft,

das muss ich ehrlich eingestehen. Die Begeisterung für mein Buch war groß. Jedoch haben nicht alle Begeisterten ein Exemplar gekauft.
Na ja, dass konnte ich ja nicht wissen. Schließlich ist es mein erstes Buch. Beim nächsten Mal bin schlauer! Mein Märchenbuch vermarkte ich anders.
Was ich sagen kann, jeder Verkauf war ein emotionales Gefühlskarussell und mit keinem Geld der Welt aufzuwiegen.

Danke an alle Käufer! Ihr ward großes Kino und die Messe eines meiner schönes Erlebnisse in meinem Leben. Danke in dem Zusammenhang auch noch einmal an die AOK Nordost und an den Moderator Michael … verdammt … ich habe seinen Nachnamen gar nicht auf dem Schirm! Michael, ich grüße dich an dieser Stelle ganz herzlich. Es war mir ein großes Vergnügen, mit dir diese drei Tage zu verbringen.
Der letzte Messetag war besonders ergreifend. Meine Mami, meine große Liebe Marc (mit c) und mein bester Freund Mark (mit k) waren da. Diese drei Personen verkörpern alles, was mir am Herzen liegt. Mein Leben, Liebe, Familie und meine Freunde.

NACH der Messe war VOR dem Halbmarathon

Samstag war ich seit 10:30 Uhr am Stand der AOK. 19 Uhr waren Marc und ich zu Hause. Vollkommen müde und erschöpft. Am nächsten Morgen 9 Uhr hätte ich mich mit Michael Klotzbier treffen können, um mit seinem Team zu laufen. Eine große Ehre für mich. Ich hatte ihn gefragt, seine Zusage erhalten und … trotzdem – am Sonntagmorgen die Absage geschrieben. Eigentlich verrückt, aber notwendig. Ich war total fertig und wollte noch ein wenig Zeit mit Marc verbringen, der am nächsten Tag wieder nach Schopfheim fahren sollte.

7 Uhr klinget mein Wecker … Aufstehen!

Diesmal, zum ersten Mal in meinem Leben, trinke ich 3 Kaffee im Bett mit meinem Mann und bin die Ruhe in Person – vor einem Halbmarathon! Wie geil ist das denn! Marc und ich quasseln den ganzen Morgen … irgendwann schauen wir auf die Uhr und beschließen unsere Hintern mal in Richtung Bad zu schieben und uns anzuziehen. Zum Glück hatte ich alles zurecht gelegt: Startnummer, Laufklamotten, Schuhe, Zeitnahme-Chip. Frühstück lassen wir ausfallen. Ich schnappe mir stattdessen eine Banane, die ich mir mehr oder weniger rein quäle, um das Haus nicht nur mit einem Twix-Riegel und drei Kaffee zu verlassen. Allerdings muss ich heute auch kein großes Theater machen, bei einer Ziel-Zeit von 2:22 auf 21, 1 Kilometer muss frau auch kein Sieger-Frühstück vertilgen.

Heute ist ALLES anders.

Kurz nach 9 Uhr verlassen wir das Haus

Wir. Ja – da war ein WIR … wie wunderbar. Diesmal gehe ich nicht allein zu einem Wettkampf. Das letzte WIR ist Jahre her, gefühlt sogar Jahrzehnte. Kurz vor 10 Uhr sind wir am AOK Stand. Das Gruppenfoto haben ich verpasst. Otti von der AOK rügt mich scherzhaft, zurecht, muss ich schon zugeben. Auch wenn hier alles freiwillig ist. Ich gebe zu, absichtlich zu spät zu sein. Früher wollte ich nicht erscheinen. Diese Zeit hätte uns beim „Kaffee im Bett Frühstück“ gefehlt. Nee, nee … dazu war ich nicht bereit. Nicht heute! Wenn ich mal wieder Single sein sollte, was ich natürlich nicht hoffe, kann ich immer noch zum Gruppenfoto erscheinen.

Heute ist eben ALLES anders!

Ich begrüße am Zelt der AOK „alte“ Lauffreunde

Wir fragen uns gegenseitig nach der Ziel-Zeit, klar und wünschen uns alles Gute für die Strecke. Jeder soll gesund und munter zurück kommen! Marc und ich verabschieden uns und trotten gemütlich in Richtung Strausberger Platz. Die Karl-Marx-Allee ist natürlich schon voller Menschen. Es ist ein Geschiebe und Gedrängel, um voran zu kommen. Das Gewusel hat was. Schließlich sind wir beide Teil des Ganzen. Wir sind hier und ich laufe mit, während Marc an der Strecke auf mich wartet. Wir sind Teil dieses „Läufer-Kosmos“ und das fühlt sich einfach unbeschreiblich an!

2011 habe ich davon geträumt, hier einmal mitzulaufen. Damals bin ich den Fun-Run gelaufen, hatte 5 Monate zuvor meine Tochter Maya geboren und war um etliches schwerer und untrainierter. Jetzt war es bereits mein dritter Berliner Halbmarathon, hatte einen Lauf-Blog online und ein Laufbuch auf dem Markt. Mehr geht nicht! Doch! Endlich glücklich sein – jetzt ist alles perfekt!

Am Strausberger Platz macht Marc von mir ein paar Bilder. Dieser Platz ist sonst durch den Verkehr so gut wie unerreichbar. Die Chance möchte ich nutzen. Ich stelle mich vor den großen Springbrunnen und lasse mich ablichten. Jäh …

Jetzt kann es von mir aus losgehen! Ich bin berei!

Es ist bereits kurz nach 10 Uhr und die Laufelite ist bereits gestartet. Die DIXI-Klos am Strausberger Platz wirken verlassen. Die riesigen LKW´s für die Gepäckaufbewahrung werden nur noch sporadisch aufgesucht. Hier hinten wird es ruhiger. Dafür tobt das Leben vorne am Start, zu dem wir uns beide hinbewegen. In Höhe des Restaurants „Alberts“ schießen Marc und ich noch ein Foto für frisch Verliebte und danach verabschieden wir uns. Den Start werde ich allein absolvieren. Marc wird an der berühmt-berüchtigten und in meinen Geschichten immer wieder erwähnten Gertrauden-Brücke warten.

So. Allein. Es fühlt sich gut an. Schließlich sehe ich in zirka 3 Stunden, Marc happy im Ziel. Der obligatorische DIXI-KLo Besuch steht noch aus. Na dann, Frau Grimm … Heute habe ich sogar Taschentücher dabei. Heute ist definitiv mein Glückstag! Ja, stimmt. Mein Klo ist total sauber. Ich kann mein Glück kaum fassen. Nach dem ich meine Blase um einige Milliliter erleichtert habe, stelle ich mich in den Startblock.

Es ist 10:30 Uhr

Die schnellen Läufer sind schon über alle Berge. Ich sortiere mich in Block F ein. Hier laufen die Debütanten oder die etwas weniger schnellen Läufer … wie ich.
Die Stimmung ist angenehm. Die Sonne scheint, die Temperaturen sind angenehm. Meine Klamotten-Wahl fiel auf mittellange Tights, das kurze AOK Shirt und natürlich mein Kopftuch – Perfekt! Ich bin soweit … von mir aus kann es losgehen.Meine „Mikey Mäuse“ setzte ich auf. Musik möchte ich heute auch wieder hören. Die volle Dröhnung Glückshormone soll es für mich geben.

10:40 Uhr – ich laufe durch das Starttor und davon erzähle ich euch im 2. Teil … in wenigen Tagen!