Ich hatte eine liebe Einladung erhalten. Freunde aus Potsdam (Gordon & Geli) wollten mit mir zusammen laufen, den Potsdamer Schlösser Lauf. Zuvor durfte ich bei ihnen übernachten. Bereits am Samstagnachmittag saß ich in ihrem Garten und aß Erdbeertorte mit Schlagsahne. Lecker! Hier ließen sich die heißen Temperaturen gut ertragen. Super, so kann es weitergehen. Am Abend waren wir dann zum Luftschiffhafen gefahren, um unsere Startnummern zu holen und sich bei der Pasta-Party den Bauch vollzuschlagen. Das mit den Startnummern ging schnell und gut. Die Pasta-Party war leider nicht der Hammer. Ich war noch nie auf einer, hatte aber schon tolle Geschichten über solche Partys gehört. Aber Entsetzen! Lieblos gekochte Nudeln in einer kleinen Wegwerf-Plastik-Schale, nur mäßig gefüllt. Die Tomatensoße war dünn und der Parmesankäse homöopathischer Natur. Leider hatte ich riesigen Hunger. Einen Nachschlag hätten wir für sagenhafte 4 Euro erwerben können. Eine Frechheit fanden Gordon und ich. Noch etwas hungrig trotteten wir zum Bratwurst-Stand und erstanden eine lauwarme Wurst. Der Hunger trieb es rein.

Zurück bei meinen Freunden machten wir es uns auf ihrer Terrasse gemütlich und plauderten, während wir uns Erdnüsse und Erdnussflips gönnten. Ich kostete auch zum ersten Mal Rote Beete Saft. Kann man trinken. Ist ja wohl gut für den Eisenspiegel. Bei Läufern ja besonders wichtig, insbesondere bei weiblichen. Bei einem AOK Symposium im Velodrom hatte ich von solchen wichtigen Ernährungstipps gehört.

Das Fußball Champions-League Finale stand heute Abend noch an. Die 1. Halbzeit wollte ich gern sehen. Also Fernseher an, nebenbei quasselten wir weiter. Ratzfatz war die Zeit um. 21:30 Uhr machte ich mich ins Bett. Barcelona führte zu diesem Zeitpunkt 1:0! Super. Sie werden gewinnen, da war ich mir sicher. Gute Nacht!

Sonntagmorgen 6 Uhr klingelt mein Wecker. Ich recke mich gemütlich. Der Hausherr tapst bereits hörbar die Treppe runter. Es ist alles sehr hellhörig hier. Wenn ich diese Nacht geschnarcht habe, werden sie es alle auf der Etage gehört haben. Ich husche schnell ins Bad. Nein, stimmt nicht. Kurz gehe ich in den Garten und atme die kühle, frische Luft ein. Wunderbar. Gordon bereitet unser Frühstück vor, ich dusche. Geli kommt kurz danach komplett in Sportklamotten in die Küche. Das Haus ist in Bewegung. Halb sieben sitzen wir frühstückend am Tisch. Der Sohnemann und sein Kumpel sind auch dabei. Ich lasse mich etwas zurückfallen und horche den Gesprächen der Familie Wollnik zu. Morgens bin ich eher ein stiller Mensch. Die Zeit ist um! Schon wieder viel zu schnell. Wir sitzen auf unseren Rädern und radeln in Richtung Luftschiffhafen. Noch knapp anderthalb Stunden bis zum Start. Wir fahren durch Potsdam und am Wasser vorbei. Keine Ahnung, ob Havel oder so. Egal. Es ist schön. Wir sammeln noch Lauffreunde ein. Weiter. Viertel nach acht sind wir da. Jetzt noch Startnummern anbringen, das Klo aufsuchen und das Gepäck abgeben. Alles locker zu schaffen. Gordon verschwindet übrigens kommentarlos sofort nach unserer Ankunft im Startgebiet. Ich hänge mich an Geli. Die anderen zerstreuen sich auch in alle Himmelsrichtungen.

Kurz vor 9 Uhr sind Geli und ich am Start. Die Stimmung ist gut. Heute möchte ich den Halben relativ gemütlich angehen. Geli ist sozusagen mein Pacemaker. Sie läuft normalerweise etwas über 2 Stunden. Diesen Lauf möchte ich genießen und nicht auf Zeit laufen. Da ich das allein vielleicht nicht machen würde, passt es heute perfekt. Wettertechnisch können wir uns nicht beklagen. Gestern war es über 30°C und drückend heiß. Heute ist es entspannt um die 17°C und bedeckt.

Der Startschuß fällt. Es ist nicht sehr voll. Keiner läuft uns vor die Füße. Schön. Wir laufen mit knapp einer Pace von 6. Alles super. Wir sind relativ schnell am „Brandenburger Tor“, das in Potsdam, dort stehen Gustavs Mama und ihr Mann. Sie winken uns zu. Irgendwann setze ich meine „Mickey Maus“ Kopfhörer auf und lasse mich treiben. Ab und zu zeigt mir Grit etwas Spannendes um die Laufstrecke herum. Ich vertrage mich super mit ihr. Das Tempo und das Feeling stimmen. Weiter. Schade ist nur, dass sehr wenig Menschen an der Strecke sind. Da hätte ich den Potsdamern doch mehr Enthusiasmus zugetraut.

Bei Kilometer 6 raffe ich endlich, dass ich mein „runtastic“ Programm nicht gestartet habe. Na toll! Also noch schnell starten … Der Puls ist im Aufbau-Modus. Kein anaerobes Gehetze in Sicht. Ich fliiiiieeeege … Es ist himmlisch. Ich könnte Bäume ausreißen. Grit ist auch super drauf. Manchmal bekommt sie einen Schreck, dass sie unter 6er Pace läuft. Das will sie gar nicht. So geht das noch bis Kilometer 14. Dort ist ein Versorgungsstand. Wir nehmen unseren Power Gel-Snack ein und spülen ihn mit lecker Wasser runter. Jetzt sind wir bis zum Ziel versorgt. Alles ist noch gut. Bei Kilometer 17 oder 18 war ich beim Berliner Halbmarathon weggebrochen. Ab da tat alles weh. Heute möchte ich diesen Einbruch nicht erleben und ich bin gespannter Erwartung … ich bin überglücklich … Kilometer 18 ist geschafft. Noch immer bin ich gut drauf. Natürlich läuft es sich nicht mehr wie auf Wolken und mein Popo-Muskel macht sich bemerkbar, aber diesen Schmerz nehme ich doch wohlwollend hin. Ein bisschen wehtun darf es schon …

Wir kommen in den Luftschiffhafen und biegen ins Stadion ein. Grit haucht mir noch zu: „Keinen Endspurt“. Okay, wird gemacht. Wir biegen in die letzte Kurve ein. Das Publikum ist hier wirklich lautstark vertreten. Ich sehe Melitta, eine Lauffreundin, sie jubelt mir zu. Das ist aber schön, sie zu sehen. Dann auf einmal spurtet Grit doch noch los. Ich verliere sie fast. Wie war das nochmal mit dem „Kein Endspurt!“? Wir fassen uns noch schnell an den Händen und erreichen das Ziel. 02:10:43 ist unsere Zeit. Super, das hatte sich Grit auch vorgenommen! Wir drücken uns. Was für ein toller Lauf! Ohne Zeitlimit zu laufen, kann wirklich wunderschön sein. Ich müsste mich das nur öfter trauen. Weniger ist tatsächlich manchmal mehr! Nach dem Lauf verbringen wir noch einen schönen Tag zusammenGustav findet sich auch wieder an. Wir essen zusammen Kuchen und trinken Kaffee, naschen Eis und fahren noch durch die wunderschöne Gegend nach Hause. Irgendwann am Abend fahre ich dann nach Berlin zurück. Was für ein Wochenende. Am Abend, kurz vor dem zu Bett gehen, liegt unsere kleine Tochter mit fast 40°C im Bett. Zum Glück hab ich beim Halbmarathon nicht alles gegeben und habe noch Reserven, mir die Nacht mit ihr „um die Ohren zu schlagen“, denn mein Mann hat morgen einen wichtigen Termin und muss schlafen …

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