Mein erster Wettkampf der Laufsaison 2015. Der Plänterwald Lauf, einer meiner Lieblingsläufe. Weil nah dran vom Bezirk Friedrichshain aus, unkompliziert, eine schöne Strecke am Wasser und durch den Plänterwald. Dieser Lauf ist der erste Wettkampf nach dem Desaster des ASICS – Laufes im Oktober 2014. Schmerzen am rechten Knie beim letzten Kilometer hatten mich damals zum Gehen gezwungen. Ich war nicht in der Lage eine Geschichte zu diesem Lauf zu schreiben, so frustriert war ich. Inzwischen ist viel Zeit vergangen. Ich weiß, was da wehtat und habe das Problem mit gezieltes Muskeltraining behoben. Den Winter 2014/2015 habe ich bis jetzt gut genutzt, um viele langsame Dauerläufe zu absolvieren. Somit ist der Lauf gut vorbereitet. Trotzdem bin ich extrem nervös. Komisch, dabei bin ich den Lauf schon oft gelaufen und es soll ja nur ein Vorbereitungslauf für den Berliner HM sein. Manchmal ist es wohl so. Tja, richtig gelesen. Ich werde zum ersten Mal in meinem Leben einen Halbmarathon laufen, den Berliner Halbmarathon. So wie es ich es mir damals, 2011 erträumt habe.

Dieser Sonntagvormittag ist wunderschön. Sonne pur, die Temperaturen für einen Februar angenehm. Diesmal habe ich auch moralische Unterstützung durch meine Familie. Alle sind dabei: Maya, Selina, Géraldine und auch Michael. Während ich den Start allein absolviere, stößt der Rest der Bande kurz danach dazu. Alles perfekt. Wenn es nur nicht so verdammt windig wäre. Ca. 2 Kilometer ist auf der Strecke Gegenwind und nicht zu knapp. Das Ganze zwei Mal. Verdammt hart für mich heute hier zu bestehen, körperlich und meinen eigenen Ansprüchen genügend. Bemerkenswert ist, während ich am Limit laufe, ziehen zwei Herren die vor mir laufen ganz entspannt ihre Runden. Die quasselten ununterbrochen, unglaublich. Ich könnte kein Wort heraus bekommen während des Laufes. Bei jedem absolvierten Kilometer machen sie eine Mini-LaOla-Welle für sich und haben viel Spaß. Wahnsinn. Mein Respekt für diese beiden Herren.

… und ich? Eigentlich kann ich nicht meckern. Ganz im Gegenteil. Meine Zielzeit von 55:03 für die 10 Kilometer-Strecke kann sich wirklich sehen lassen. In meiner Altersklasse wurde ich Drittplazierte, vorgenommen hatte ich mir mindestens den 5. Platz. Somit alles im grünen Bereich. Jetzt heißt es weitermachen für den Berliner Halbmarathon und den Spaß nicht verlieren. Das wird auch nach dem Lauf sofort umgesetzt. Wir besuchen in Familie auf dem Rückweg liegend, im Zenner das Burger King Restaurant und lassen es uns dort gehen. Danke an meine Familie für die tolle Unterstüzung an der Strecke. Tatsächlich war dies einer der wenigen glücklichen Tage, die ich mit Michael erlebte. Das Jahr 2015 stand unter keinem guten Stern.

Selina liest mit Begeisterung, jederzeit und überall

Interressantes am Rande, zitiert aus zwei verschiedenen Quellen:

„Das Gebiet des heutigen Alt-Treptow wurde von einer slawischen Bevölkerung etwa seit dem 7. Jahrhundert besiedelt. Ausgangspunkt der Besiedelung war das Gebiet des heutigen Restaurants „Haus Zenner-Eierschale”. Auf dem Gelände wurden in den 1950er Jahren bei Ausgrabungsarbeiten Eichenpfähle und ein inzwischen vertorfter sieben Meter breiter Graben entdeckt, die auf einen slawischen Burgwall schließen lassen. Ein zweiter Burgwall wurde bereits am Ende des 19. Jahrhunderts in der Nähe des Kiehnwerder gefunden. Die Bedeutung des Namens Treptow ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Er könnte vom slawischen Präfix „Treb“, „feuchtes Niederungsgebiet“, abgeleitet oder aus dem slawischen „Drevo“ oder „Drevko“: Gehölz, Unterholz entstanden sein.

Bereits in der Mitte des 15. Jahrhunderts wurde von der damaligen Stadt Cölln die „unbedeutende Fischerei Trebow“ am südlichen Spreeufer erworben. Mitte des 16. Jahrhunderts wurde die Fischerei an den Fischer Andreas Neuendorf für fünfzig Jahre in Pacht gegeben. Andreas Neuendorf gilt somit als erster (deutscher) Bewohner Treptows in einer ansonsten unbewohnten Gegend. Das Gebiet der Fischerei umfasste eine kleine Insel (heute Insel der Jugend), die von der Spree und einem Graben umgeben war.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) erwarb Erdtmann Schmoll, Küchenmeister des Kurfürsten Friedrich Wilhelm das verwüstete Gebiet. Auf der Insel baute er ein Anwesen, das über eine Zugbrücke zu erreichen war. Auf dem Gelände der alten Fischerei ließ er ein Wirtshaus bauen, in dem auch Bier ausgeschenkt wurde. Das Gasthaus hieß seitdem „Spreebudike“. 1734 kam neben dem Wohn- und Gasthaus noch eine Kegelbahn dazu, und das Gelände bekam den Charakter eines „Märkischen Kruges“, der zunehmend auch die Berliner in die Gegend lockte. 1817 verfügte der Berliner Magistrat die Errichtung eines städtischen Gasthauses „in elegantem Style“ und die Umwandlung eines Teils des Geländes in einen Lokalgarten für das feinere Publikum. Das „Gasthaus Treptow“ wurde am 11. Juni 1822 eröffnet und galt als schönstes Wirtshaus in der städtischen Umgebung Berlins. Seit 1835 gelang es den Betreibern mit immer größerem Erfolg – mit Feuerwerk und Volksfestcharakter – die Berliner nach Treptow zu ziehen. Diese Tradition ist bis heute als „Treptow in Flammen“ erhalten geblieben. Trotz der schlechten Straßenverhältnisse wurde 1848 ein Pferdeomnibusbetrieb nach Berlin aufgenommen. 1864 begann der Linienbetrieb der Berliner Dampfschifffahrt, die die Anlegestelle am Hausgarten  jetzt regelmäßig ansteuerte. 1880 übernahm der Gastwirt Rudolf Zenner das Treptower Magistratsgasthaus, unter dem der Betrieb noch einmal einen erheblichen Renomeezuwachs erfuhr – und von dem die 1876 gegründete Landgemeinde Treptow erheblich profitierte. Das Zenner als Vergnügungsstätte bot den Berlinern eine umfangreiche Bühne zum Feiern und Schwofen und das mit beinahe täglich wechselnden Belustigungsprogrammen. Zenners Nachfolger richteten sich mit ihren Geschäftskonzeptionen mal an die deutsch-national gesinnte deutsche Mittelschicht, dann wieder an die Hautevolee. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann der Betrieb mit einem bescheidenen Speisen- und Getränkeangebot. Begünstigt wurde die Restauration durch die kaum beschädigten Berliner Brauereien, die schon kurz nach der Beendigung der Kampfhandlungen die Bierproduktion wieder aufgenommen hatten. 1955 wurde der Neubau, der sich äußerlich an den Vorgängerbau anlehnte, eröffnet. Bis 1961 blieb die inzwischen HO-Gaststätte eines der beliebtesten Gartenlokale Berlins. Nach dem Mauerbau war es noch eines der wichtigsten Ausflugsziele der Ost-Berliner mit unzähligen Veranstaltungsprogrammen. Nach der deutschen Neuvereinigung wurde es 1992 als „Zenner-Restaurations GmbH-Haus Eierschale“ wiedereröffnet.

Unter dem preußischen König Friedrich II. wurden im Rahmen der Binnenkolonisation ab 1779 auch im heutigen Alt-Treptow Familien angesiedelt. Der heutige Verlauf der Puschkinallee und die Straße Alt-Treptow entstanden erst im 19. Jahrhundert. Die Kolonisten versuchten vom Ausflugsverkehr zur damals noch „Spreebudike“ zu profitieren und eröffneten an der heutigen Krugallee weitere Gaststätten, was ihnen von den Behörden untersagt wurde. Durch einen Trick umgingen die vor allem aus Sachsen stammenden Kolonisten die Ausschankbeschränkungen. Sie gestatteten den Berlinern, ihren eigenen Kaffee mitzubringen. Gegen ein Entgelt bekamen sie heißes Wasser sowie Milch und Geschirr. „Hier können Familien Kaffee kochen“ wurde in Treptow zum geflügelten Wort. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden weitere kleine Gasthöfe an der heutigen Neuen Krugallee mit Sommergärten. Das lockte reiche Berliner an den Ort. Die Straße Am Treptower Park wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einer vornehmen Prachtstraße. Im Laufe der Zeit wurden die kleinen Gastbetriebe von finanzstarken Unternehmern und großen, modernen Gastbetrieben verdrängt. Im Treptower Park fanden seit dem Nationalsozialismus Vergnügungsveranstaltungen mit immer stärkerem Volksfestcharakter statt, die im Plänterwald auch während der DDR-Zeit fortgesetzt wurden.“

1935 Gaststätte Zenner
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