8. November 2015 Teltowkanal Halbmarathon vom VGS Kiebitz e.V.

Mein vierter und letzter Halbmarathon in diesem Jahr…

…nicht wie angenommen mein fünfter, war der um den Teltowkanal. Allein bin ich auf diesen Lauf nicht gekommen. Meine Freunde aus Potsdam, Grit und Gustav, haben mich darauf aufmerksam gemacht. (Ich sollte die beiden in Zukunft nur noch G&G nennen) „Hast du nicht Lust diesen Lauf mit uns zusammen zu machen?“, war ihre Frage gewesen. Seit dem wir uns letztes Jahr beim ASICS Lauf wieder getroffen hatten (nach 10 Jahren Pause), sehen wir uns nicht allzu oft. Mit den beiden am Start zu sein und sogar bei ihnen vorher zu übernachten, finde ich besonders schön. Ich genieße es immer wieder aufs Neue.

Aus diesem Grund habe ich gar nicht lange überlegt und zügig „Ja, ich will.“ gesagt. Einen Tag vor dem Lauf stand ich dann vor ihrer Tür. Gemeinsam tranken wir Kaffee und aßen leckeren Kuchen. Ich hielt mich etwas zurück und verdrückte nur einen selbstgemachten Mini-Keks von Tochter Lina, da ich während der Bahnfahrt schon ein Mandelhörnchen genascht hatte. Das war so reichhaltig, dass mein Magen mir signalisierte, er möge doch bitte eine Pause bekommen. Hm, schade aber auch. Dafür schlage ich nachher beim Abendbrot zu.
Es gibt Nudeln und Bolognese, eine hausgemachte Pasta-Party. Danach ist nochmal Gewusel im Kleiderschrank angesagt. Kurze oder dreiviertel Hose morgen zum Lauf? Das ist die große Frage. Für einen Novembertag soll es morgen recht warm werden. Ich hab keine kurze Hose dabei. Natürlich sind wir Läuferinnen und keine Models, aber Irgendetwas ziehen wir auch nicht an. Hose an, Hose aus. Endlich entscheide ich mich für eine Hose, diese (ganz kurz) soll es dann morgen sein, falls es morgen 10.30 Uhr tropisch warm wird. Am Abend machen wir es uns noch gemütlich, plaudern und schauen im Fernsehen einen Film über Mark Zuckerberg. Der ist spannend. Nur ist es irgendwann Zeit zum Schlafen. Also wird die „Flimmerkiste“ ausgemacht und ins Bettchen gegangen.

Morgens 7 Uhr klingelt der Wecker

Alle krauchen aus ihren Zimmern. Ich hatte beim Junior des Hauses geschlafen. Max, er hat zum Glück ein Maisonette-Zimmer und musste somit nicht direkt meinem Schnarchen lauschen. Mir ist es immer unangenehm, mein nächtliches Konzert. Es ist aber nun mal so und nicht zu ändern. Max schaut freundlich am Frühstückstisch. Puh, Glück gehabt. Wir lassen es uns alle in Ruhe schmecken und machen uns zu gegebener Zeit auf, in Richtung Teltow. Ein Freund von G&G, Mattis stößt dazu. Grit und ich fahren mit Ihm mit. Gustav fährt mit den Kids. Wobei Max kein Kid mehr ist, sondern ein Teen, der übrigens 10 Km in unter 45 Minuten läuft! In Teltow angekommen weht uns ein zügiges Lüftchen um die Ohren. Die Sonne scheint. Der Himmel ist mit weiß getupften Wolken bedeckt, die in einem ordentlichen Tempo über uns her ziehen. Warm wird es bestimmt noch. Aber auch windig. Somit ist es für mich beschlossen. In super sexy kurz laufe ich definitiv nicht!

Startnummern werden geholt und angebracht. Ich halte mich, wie immer, an Grit. Wir gehen noch für kleine Mädchen ins Gebüsch am Kanal, denn die Schlange am Dixi-Klo ist uneeeendlich lang. Wir treffen noch weiteren Laufkollegen von G&G. Die Laufwelt ist klein. Ich sehe auch noch ein bekanntes Gesicht. Dieses Gesicht möchte allerdings in meinen Geschichten nicht genannt werden und ist ein wenig zickig zu mir. Naja, mit 26 Lenzen darf das die junge Dame noch. Meinen liebsten Lauffreund Mark sehe ich leider nicht. Er startet über die 14 km Strecke. Wir schreiben uns kurz, um uns für nach dem Lauf zu verabreden. Da ich ja eine Runde mehr absolviere, darf ich mich im Ziel auf ihn freuen.

Apropos Ziel

21,1 km sind es bis zum diesem. Wie laufe ich denn nun heute? Das Wetter ist super. Besser geht es für November nicht. Meine körperliche Verfassung ist auch gut. Tja, wie gehe ich es an? Mit Grit zusammen laufen geht nicht. Das hatte sie mir am Abend zuvor schon gesagt. Die Strecke ist an manchen Stellen so schmal, das man hintereinander laufen muss. Somit fällt gemütlich laufen aus. Ich entscheide mich für gutes Feeling. Das ist ein super Plan. Der lässt alles offen. Nach kleiner Auflockerung und Mini Lauf ABC husche ich nochmal wohin, dann kurzes Abklatschen aller Beteiligten und ab zum Start. Jeder für sich. Paulina, Max und ihre Großeltern postieren sich zum Anfeuern und Fotos schießen an der Treppe, an der wir dreimal hoch müssen. Ich drängle mich ganz vorsichtig in den vorderen Start-Bereich. Dann hab ich an den schmalen Passagen kein „lahmes Entlein“ vor mir. Wie immer setze ich meine „Mickey Mäuse“ auf die Ohren und starte meine TomTom Uhr. Für den Lauf hab ich mir noch extra-super-duper Musik downgeloadet. Damit fliege ich förmlich ins Ziel, so hoffe ich.

Startschuss

Ab geht die Post. 1500 Läufer sind am Start. Wir laufen eine Runde von 7 km um den Teltowkanal, nur ein Mini-Stück Straße, dort ist es sehr windig. Am Wasser direkt ist es fast immer windstill. Es gibt Läufer für 7, 14 und 21 Kilometer. Somit wird es von Runde zu Runde ruhiger auf der Strecke. Gustav hatte mir den Tipp gegeben, das Tempo nach jeder Runde zu steigern. Ok, klingt gut. Dann nehme ich mir das vor. Die erste Kilometer laufen super. Die Sonne scheint, die Temperaturen sind sehr angenehm. Die bunten Blätter auf dem Boden und an den Bäumen machen ein wunderbares Feeling. Ja! Das wird heute ein schönes Läufchen. Das fühle ich. Die Passage, wo wir alle im Gänsemarsch laufen, ist gar kein Problem, denn die Läufer um mich herum haben dieselbe Pace. Es läuft sozusagen alles wie „am Schnürchen“. Ein Läufer hat ein besonders gutes Tempo für mich. An den hänge ich mich dran.
Er hat Musik auf den Ohren und bekommt mich überhaupt nicht mit.

Super ein Pacemaker wie bestellt,

denke ich. Beim Müggelsee HM hatte ich den „Fehler“ gemacht, zu vorsichtig an die ersten 10 km zu gehen. Das konnte ich dann nicht mehr rausholen. Also schön dran bleiben, eher auf eine Pace von 5:40 laufen, als auf 5:50. So absolviere ich die ersten 7 km. Kurz Treppe hoch, links rum. Bei 40 Minuten komme ich das erste Mal am Ziel vorbei. Na hoppla! Perfekt! Einfach weiter so, dann laufe ich den HM in 2 Stunden. Besser geht’s nicht. In der zweiten Runde hänge ich immer noch hinter dem Mann mit der Nummer 1109. Es geht mal etwas bergauf, bergab. Dann über die Brücke, die ist Wendepunkt. Von dort geht es meistens im Gänsemarsch hintereinander über viel Wurzeln, die zum Glück farblich markiert sind. Das Feld hat sich ab dem 7. Kilometer schon etwas gelichtet. Ich verlasse „meinen“ Pacemaker kurz vor der Brücke, ca. bei Kilometer 10. Er ist ein, zwei Schritte zu langsam. Manchmal laufe ich sogar unter 5:40. Die Musik auf den Ohren trägt mich ganz und gar. Alles ist im Lot. Mir geht es fantastisch. Wieder im Gänsemarsch auf der Rückseite, wieder an Max und den Anderen vorbei, die Treppe hoch, links rum. Was wird die Zeit sagen? Die zeigt, 01:20 an. Suuuper! Rechts rum, auf in die letzte Runde. Nochmal 7 Kilometer. Wieder der doofe Gegenwind. Als ich auf den Weg am Kanal laufe, ist alles wieder gut. So, halte ich das Tempo jetzt durch? Meine Pace ist um die 5:30 – 5:35. Derzeit geht es mir noch sehr gut. Ich merke, es läuft nicht mehr ganz so entspannt. Aber alles im grünen Bereich.Wieder bergauf, bergab. Durchpusten.

Auf einmal taucht aus heiterem Himmel ein Läufer neben mir auf

Er lächelt kurz und zeigt mir „Daumen hoch“. Ups, wie komme ich denn dazu? Keine Ahnung! Er macht keine Anstalten von meiner Seite zu weichen. Wir laufen einfach zusammen weiter. Jeder für sich. Irgendwann verständigen wir uns. Er würde mit mir weiterlaufen, wenn es mich nicht stört. Tut es nicht. Ist er jetzt mein Endspurt-Pacemaker? Gewünscht hab ich mir den natürlich nicht. Solche Wünsche würden nie erfüllt werden. Aber manchmal geschehen Zeichen und Wunder. Wir passen ganz gut zusammen. Nicht so gut wie Mark und ich. Das lässt sich nicht so schnell toppen. Für „aus den Wolken gefallen“ nehme ich dieses liebe Angebot natürlich an. Wir passieren die Brücke. Jetzt sind es noch knapp 3,5 km bis zum Ziel.
Mir geht es gut. Mein Körper zeigt absolut null Schmerzen an und ich fühle mich extrem geschmeichelt durch den coolen Läufer neben mir. Tja, dann mal ab die Post. In dem Moment zeigt mir „mein Pacemaker“ an, wir schaffen die Distanz ganz entspannt unter 2 Stunden. Ich nehme, voller Mut, nicht den kleinen Finger, sondern die GANZE HAND. Zwei Minuten unter 2 Stunden würde ich gern laufen, sage ich schon etwas schnaubend. Er schaut kurz etwas verwirrt, blickt dann auf seine Uhr. Rechnet wohl und sagt: „Das schaffen wir.“ Na dann! Gesagt, getan. Am letzten Getränkestand wird noch ein Schluck Wasser genommen. (Ich laufe diesen HM übrigens ohne Power Gel)

Mein Begleiter übernimmt jetzt die Führung

Ich hinter oder neben ihm her. Tief Luft holen. Den Rhythmus suchen, finden. Konzentration. Alles auf eine Karte. Ich will eine neue Bestzeit.
Wir passieren die vielen Wurzeln. Einmal kommen wir beide uns zu nah. Ein Mini-Stolperer. Alles gut. Dann geht es rechts hoch, kurz nach Kilometer 20. Dort liegen große Pflastersteine. Der linke Trampelpfad, an den Pflastersteinen vorbei, ist belegt durch einen Läufer vor mir. Ich überlege. Zulange. Hier stolpere ich. Diesmal ordentlich. Falle jedoch nicht. Der Puls schnellt natürlich jetzt in die Höhe. Mist! Egal, weiter! Noch einen Kilometer gilt es zu überwinden. Daniel zeigt an, alles im zeitlichen Lot. (Den Namen hab ich nachträglich aus der Ergebnis-Liste herausgefunden) Zu diesem Zeitpunkt beiße ich die Zähne mehr zusammen, als das ich Luft hindurch lasse. Kurz alles mobilisieren. Ich versuche zu entspannen. Nur so kann die Kraft durch den Körper fließen, die ich für die letzten Meter brauche. Ah, die Treppe. Diese jetzt ein letztes Mal hoch. Es ist voll. Noch ein Mini-Stolperer. Verdammt! So, linksrum, auf die Zielgerade. Daniel und ich schauen uns an. Er lächelt und sagt, „Unter 1:58.“ Ich lächle auch. Wir laufen noch 1o Meter zusammen. Dann schickt er mich noch auf einen Mini-Sprint. Bei 1:57:40 komme ich durch Ziel. Jipiiii ! Neue Persönliche Bestzeit!

Leute, was für ein Lauf !